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Vortrag und Gespräch
mit Ann Kathrin Scheerer, Diplom-Psychologin und Psychoanalytikerin, Hamburg
Mittwoch, 27. Oktober 2010, 19:30 Uhr, Eintritt frei, Großer Saal, Gesellschaftshaus, Königstraße 5
Wir müssen nicht auf Elisabeth Badinters neues Buch „Der Konflikt. Die Frau und die Mutter“ warten, um den jahrtausendealten Konflikt – ein historisches Dilemma sozusagen, folgen wir der Psychoanalytikerin Herta Harsch („Kulturge-schichte der Mütterlichkeit“) – der Frauen zu erkennen.
Der weibliche „Vereinbarkeitskonflikt” zwischen Mutterschaft und Berufstätigkeit ist uralt und jede Generation sucht neue Lösungen oder orientiert sich an alt-bewährten Lösungswegen. Eine einfache Lösung gibt es nie. Dass es für die spätere emotionale Gesundheit und psychophysische Stabilität von wesentlicher Bedeutung ist, welche Beziehungserfahrungen der Mensch in seinen ersten Le-bensjahren macht, so Ann Kathrin Scheerer, ist – seit den Erkenntnissen Sig-mund Freuds und von Bildungsforschern wie John Bowlby, René Spitz und Da-niel Stern – längs Allgemeinwissen. Das „Urvertrauen“, Grundlage für Selbst-wertgefühl und Beziehungsfähigkeit, wird gerade in dieser Zeit der vollkommenen Abhängigkeit von der Führsorge und dem Einfühlungsvermögen der Eltern erworben und befähigt später auch dazu, Frustrationen und Krisenzeiten besser zu bewältigen.
Um dem Kind, das durch die heute verstärkt propagierte Krippenbetreuung früh von der mütterlichen Fürsorge getrennt wird, nicht zu schaden, braucht es ausreichend Kenntnis über seine entwicklungspsychologischen Bedürfnisse und über die Faktoren, die außerfamiliäre Betreuung zu einem Entwicklungsrisi-ko machen können. Denn die Erfahrungen der ersten Lebensjahre bleiben lebenslang die Basis der psychischen Stabilität sowie umgekehrt auch frühe seelische Überforderungen lebenslang wirksam bleiben können. Der Vortrag thematisiert die Risiken außerfamiliärer Betreuung in der frühen Kindheit aus psycho-analytischer Sicht und fragt, wie gute Krippenbetreuung gelingen kann.
Ann Kathrin Scheerer wurde 1954 geboren. Sie schloss ihr Studium der Sinolo-gie und Psychologie mit einem Diplom in Psychologie ab; seit 1999 praktiziert sie als niedergelassene Psychoanalytikerin (DPV/IPV) in Hamburg; seit 2001 ist Ann Kathrin Scheerer Vorstandsvorsitzende des Altenpflegeheims der Philipp F. Reemtsma Stiftung. Sie ist außerdem Leiterin des Arbeitskreises „Außerfamiliäre Betreuung in der frühen Kindheit“ der Deutschen Psychoanalytischen Vereini-gung (DPV).
Literatur:
Ann Kathrin Scheerer, „>Mein Baby wird keine Probleme machen …< Konflikt-diagnosen im Zusammenhang mit früher außerfamiläre Betreuung“, in: Psyche. Zeitschrift für Psychoanalyse und ihre Anwendungen 2/2008, Seite 118-135.
Ann Kathrin Scheerer, „Kinderkrippen. Scheitern und Gelingen“, in: Psychologie Heute 6/2008, Seite 32 f.
Die Ausführungen von Ann Kathrin Scheerer werden am 24. November 2010 von Dr. Julia Berkic aus einem möglicherweise ganz anderen Blickwinkel er-gänzt. Wir laden Sie ein, dieses so wichtige Thema aus zwei Perspektiven wahr-zunehmen.
27. Oktober 2010
Frühe Sorge: Risiken der Krippenbetreuung
Ann-Kathrin Scheerer, Dipl.-Psychologin und Psychoanalytikerin, Hamburg
24. November 2010
Auswirkungen früher Bindungserfahrungen – Erkenntnisse aus der Bindungsforschung
Dr. Julia Berkic, Dipl.-Psychologin, Staatsinstitut für Frühpädagogik, München
26. Januar 2011
Der zweite Code – Epigenetik. Warum uns vorgeburtliche und frühkindliche Erfahrungen ein Leben lang prägen
Dr. Peter Spork, Wissenschaftsjournalist und Autor, Hamburg
23. Februar 2011
MONDEY – Frühkindliche Entwicklung erfolgreich begleiten und dokumentieren
Prof. Dr. Sabina Pauen, Entwicklungspsychologin, Psychologisches Institut, Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie und Biologische Psychologie, Universität Heidelberg
30. März 2011
Andere Länder, andere Kindergärten! Die vorschulische Erziehung im europäischen Ausland
Eva Hammes-Di Bernardo, Wissenschaftliche Referentin der Stabsstelle Frühkindliche Bildung und Schulentwicklung, Ministerium für Bildung, Kurltur und Wissenschaft, Saarbrücken
4. Mai 2011 !! Achtung, vorgezogener Termin !!
Frühe Hilfen: Gesundes Aufwachsen, Förderung und Schutz von Kindern – auch ein Beitrag zur Bildung?
Prof. Dr. Ute Thyen, Leiterin Neuro- und Sozialpädiatrie, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universität zu Lübeck; Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen
25. Mai 2011
Frühkindlicher Spracherwerb
Prof. Dr. Barbara Höhle, Insitut für Linguistik, Lehrstuhl für Psycholinguistik, Bereich Spracherwerb, Universtität Potsdam
29. Juni 2011
Podiumsgespräch über die Lern- und Bildungsbedingungen in Lübeck