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Das Litterärische Gespräch

Litterärische Gespräche 2017

„Litterärische Gespräche“, hinter dieser vielleicht etwas altmodisch wirkenden Bezeichnung verbirgt sich eine Vortragsreihe, die daran erinnert, dass die „Gemeinnützige“ ursprünglich eine Lesegesellschaft war. Mit den Vorträgen dieser Reihe regen wir Sie auch in diesem Jahr zum Lesen an. Sie begegnen weitgehend Unbekanntem: lyrischen „Fundstuecken“ und Märchen von Musäus, die von Ludwig Richter illustriert wurden. Zu Gast ist die Autorin Charlotte Kerner mit ihrer Mao-Biografie; Sie können auf Spuren der Literaten durch Venedig wandern und werden 90 Jahre nach seinem Tod an Rilke erinnert. Eine Besonderheit stellt das Litterärische Gespräch am Vortage des Reformationstages dar; hier treffen wir uns ausnahmsweise an einem Montag und zwar in der Aula des Katharineums. In die deutschsprachige Literatur nach 1945, speziell mit Formen der Verdrängung und der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, werden Sie im letzten Vortrag des Jahres eingeführt.

Litterärisches Gespräch – das bedeutet nicht nur, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer nach dem Vortrag mit dem Referenten oder der Referentin ins Gespräch kommen können. Der Titel der Reihe weist auch darauf hin, dass das Wort, die Literatur ins Gespräch kommt mit der Musik oder darstellenden Kunst.

Jutta Kähler

März

Donnerstag, d. 23. März 2017, 19 Uhr 30

Fundstuecke

Unbekannte und unerkannte Gedichte
vom Barock bis zum Rokoko
vorgetragen und gesungen von
Jutta Kähler und Jürgen Schwalm (Rezitation)
Henner Leyhe (Gesang) und Jürgen Glauß (Klavier)

Der Lyrik-Abend zum UNESCO-Welttag der Poesie führt auf eine literarisch – musikalische Entdeckungsreise durch ein vielen unbekanntes Land, eine lyrische Reise durch Zeit und Welt, Natur und das eigene Ich. Geistvoll Witziges steht neben ernsthaft Tiefgehendem. Autoren von Hoffmanswaldau bis Bürger regen Komponisten von Cornelius bis Beethoven zu Vertonungen an. Sie begleiten den Hörer durch ein reiches Themenspektrum: Gedanken über Zeit und Welt – Das Leben im Spiegel der Jahreszeiten – Geistlicher Trost und geistliche Erbauung – Weltlicher Trost und weltliche Genüsse – Ratschläge für ein tugendhaftes Leben – Von fremden Menschen und Welten – Schicksale, in Balladen erzählt.

Litterärisches Gespräch im Großen Saal der Gemeinnützigen

April

Donnerstag, d. 20. April 2017, 19 Uhr 30

Brigitte Heise

„Ein unernster Mann“ -Johann Carl Musäus (1735 -1787)

Märchen und Legenden voll Witz und Ironie
Weimar war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Zentrum der Märchenbegeisterung. Hier lebte seit 1763 der Theologe Johann Carl Musäus, der wegen seiner freizügigen Lebensart nicht in das Pfarramt übernommen wurde. Er widmete sich stattdessen der Literatur, vor allem, lange vor den Brüdern Grimm, den Märchen und Legenden. Musäus ging sehr frei mit den tradierten Stoffen um. Voll Witz und Ironie kommentierte er die historischen Stoffe, teilte durchaus auch in der Epoche der Empfindsamkeit kräftige Seitenhiebe aus: „Meiner unvorgreiflichen Meynung nach wär’s wohl Zeit die Herzgefühle eine Zeitlang ruhen zu lassen, das weinerliche Adagio der Empfindsamkeit zu endigen und durch die Zauberlatern der Phantasie das ennüyierte Publikum eine Zeitlang mit dem schönen Schattenspiel an der Wand zu unterhalten.“ Goethe schalt: „Nur wer kein Gewissen oder keine Verantwortung hat, kann humoristisch seyn.“ Das Publikum aber schätzte den heute zu Unrecht vergessenen Musäus. Am Beispiel der Legende der Sultanstochter Melechsala wird diese ganz besondere heitere Art der Märchenkunst vorgestellt.

Litterärisches Gespräch im Bildersaal der Gemeinnützigen

Mai

Donnerstag, d. 18 Mai. Mai 2017, l9 Uhr 30

Klaus Rainer Goll

Rainer Maria Rilke und die Musik

Wir erinnern an Rainer Maria Rilke, dessen Todestag sich am 29. Dezember 2016 zum 90. Male jährte. Der 4. Dezember 1875 in Prag geborene Dichter erzielte von den Lyrikern seiner Zeit den größten Erfolg und die breiteste Wirkung. Die dichterischen Anfänge sind nicht die Zeugnisse eines Frühvollendeten wie etwa beim jungen Hofmannsthal, dennoch scheint er wie kein anderer vor und nach ihm den Begriff des “reinen Dichters” zu verkörpern. Im Mittelpunkt des Rilkeschen Werkes, wie es sich schließlich in den späten “Duineser Elegien” und den “Sonetten an Orpheus” zeigt, steht die Geistwerdung der Seele, am Ende der “Weltinnenraum”, zeitloser Ort des eigentlich geschichtlichen Geschehens. Weder Humor noch Musik haben in ihm Platz. Was aber hat es genauer auf sich hat mit der Musik bei dem Dichter Rainer Maria Rilke? Die Antwort auf diese Frage wird ergänzt durch die Rezitation einiger “Sonette an Orpheus”.
Litterärisches Gespräch im Bildersaal der Gemeinnützigen

Juli

Donnerstag, d. 6. Juli 2017, 19 Uhr 30

Charlotte Kerner

Rote Sonne, roter Tiger – Rebell und Tyrann
Die Lebensgeschichte des Mao Zedong

Am 1.Oktober 1949 rief der bis heute „berühmteste Chinese der Welt“, die Volksrepublik China aus: Mao Zedong (1893 – 1976) prägte dieses Land wie kein anderer und deshalb hängt bis heute sein Porträt am „Tor des Himmlischen Friedens“ mitten in der Hauptstadt Beijing. Das Ende der Mao Ära erlebte die Autorin Charlotte Kerner persönlich, 1977/78 gehörte sie zu den ersten deutschen Austauschstudenten im Reich der Mitte, es waren zwölf Monate die sie nachhaltig prägten. Eine Generation später, Ende 2012, kehrte sie für drei Monate zurück. Ihre persönlichen Erfahrungen bereichern diese spannend erzählte Lebensgeschichte vom Aufstieg eines Bauernsohnes, der nach Bildung hungerte und die chinesische Sprache liebte, zu einem Rebellen und Tyrannen, der Menschen fanatisierte und faszinierte. Das Buch ist „auch eine Epochenbio-grafie“ (LN), die das heutige China und die nach der Trump-Wahl wieder heftig diskutierte „Ein-China-Politik“ verständlicher macht.

Litterärisches Gespräch im Gartensaal der Gemeinnützigen

August

Donnerstag, d. 31. August 2017, 19 Uhr 30

Jutta Kähler

La Serenissima – Literarische Streifzüge durch Venedig La Serenissima Repubblica di San Marco – Die allerdurchlauchteste Republik des Heiligen Markus, die Königin der Meere, in der man, wie Josef Brodsky meint, unweigerlich verloren gehen kann. Orientierungshilfen in diesem Labyrinth bieten uns in Gedichten und Prosa Goethe, Casanova, Rilke, Thomas Mann, Cees Noteboom, Hemingway, Hebbel und viele andere. Sie begleiten uns durch die Sestriere, die sechs Stadtteile Venedigs. Bei einem literarischen Spaziergang muss man keine Angst vor Acqua Alta haben. Venedig: märchenhaft, Mythos und vom Untergang bedrohte Realität. Der Zuhörer mag sich entscheiden, ob er Richard Dehmel zustimmt:„Hier möchte ich sterben…aber leben: nein!“ Vielleicht ist für den Lübecker wichtiger, was Klabund uns zu sagen hat: „Im Norden frieren die Götter. Hier strahlt ein jeder Gauner: ein heißer Gott.“

Litterärisches Gespräch im Bildersaal

Oktober

Montag, d. 30. Oktober 2017, 19 Uhr 30

500 Jahre Reformation: Christ sein heute

„Es gilt, ein neues Bewusstsein dafür zu entwickeln, aus welcher Tradition heraus die Werte einer freiheitlichen Demokratie gewachsen sind. Es besteht die Gefahr, dass das geistige Fundament der errungenen demokratischen Werte langsam abhanden kommt“, schreibt Matthias Beck in seinem Buch „Christ sein – Was ist das? Glauben auf den Punkt gebracht.“ Am Vorabend des Reformationstages werden wir versuchen, Glauben auf den Punkt zu bringen. Eingeladen sind Prof. Matthias Beck (Universität Wien), Prof. Eckard Nordhofen (Nidderau) und Pastor Martin Klatt (Lübeck) – ein Gespräch der Konfessionen, eine Kooperation zwischen den Litterärischen Gesprächen der Gemeinnützigen und dem Katharineum.

Litterärisches Gespräch EXTRA in der Aula des Katharineums

November

Donnerstag, d. 23. November 2017, 19 Uhr 30

Konstanze Hanitzsch

Erinnerung – Geschlecht – Nationalsozialismus

Ein filmisch – literarisches Gespräch über Verdrängungen und Auseinandersetzungen
Geschlechtliche Codierungen der Shoah sind in der deutschsprachigen Literatur nach 1945 häufig zu finden. Nicht zuletzt dienen sie einer Schuldabwehr, die oft mit Selbstaufopferung einhergeht. Berühmt ist diesbezüglich Sylvia Plaths Abrechnung mit dem Patriarchat, das sie in die folgenden Worte kleidete: “Every woman adores a Fascist.” Einen anderen Umgang finden Max Frisch und Ingeborg Bachmann. Als Kind des einzigen Künstlers, der nach 1945 eines “Verbrechens gegen die Menschlichkeit” angeklagt wurde, agiert Thomas Harlan wiederum auf einer anderen Ebene. Er benutzt das Pathos des Vaters Veit Harlan, um es gegen einen NS-Täter zum Einsatz zu bringen.

Litterärisches Gespräch im Bildersaal der Gemeinnützigen